Nur Wein sollte trocken sein – Wie du deinen Texten Leben einhauchst

Trockene Texte auflockern

Nein, ich gehöre nicht zu den Weingenießern. Ehrlich gesagt trinke ich gar keine alkoholischen Getränke. Aber ich gehöre zu den Bücherwürmern. Zu den Textverschlingern. Ein Buchstabenfresser. Ich liebe es, zu recherchieren. Dabei beschränke ich mich nicht nur auf ein Medium. Dazu lese ich in Büchern oder suche mir geeignete Blogbeiträge.

Und da kommt es schon vor, dass ich manche Artikel und Bücher einfach nicht bis zum Ende lese, weil mir das zu trocken ist. Kennst du bestimmt auch. Manchmal ärgert man sich, weil man sich ein neues Buch kauft und dann nach den ersten paar Seiten wieder aufgibt, weil es einem einfach nur einschläfert.

Bei einem Buch, das man sich gekauft hat, bekommt der Autor trotzdem seine Tantiemen. Allerdings wird man sich kein weiteres Buch von diesem Autor kaufen.

Und so ist es auch mit Blogartikel. Sind deine Blogartikel zu trocken geschrieben, geht der Leser wieder und kommt wahrscheinlich nicht wieder. Weg. Chance verpasst. Im Grunde sehr schade. Denn du hast doch dein Wissen preisgegeben. In deinem Bereich bist du Experte. Dein Text ist korrekt. An deinen Darstellungen ist doch nichts falsch.

Sind deine Texte zu trocken?

Trockene Texte auflockern Wüste im Text-
pixabay.com

Für den Artikel SEO-Texte schreiben, der sich an Einsteiger/innen richtet, habe ich auch recherchiert. Das meiste, das ich fand, war aber staubtrocken. Der Inhalt, das, was der Schreiber sagen wollte, war korrekt. Doch es machte einfach Mühe diese Texte zu lesen.

OK, diese Texte sind wahrscheinlich nicht für Einsteiger gedacht. Und trotzdem fand ich es sehr schade, dass alles so trocken und, stellenweise, sehr kompliziert dargestellt wurde. Auch für einen Profi macht das keinen Spaß. Es ist schlicht langweilig. Kopfschüttelnd machst du den Artikel wieder zu.

Vielleicht passiert dir das mit deinen Texten auch. Der Inhalt, die Aussage, ist zwar richtig, aber der Text liest sich schwer oder ist im schlimmsten Fall sogar langweilig. Du erreichst deinen Leser nicht. Die Chance, diesen Leser von deiner Expertise zu überzeugen, ist leider verstrichen.

Was macht einen Text trocken?

Zum Beispiel ist es sehr trocken, überhaupt für Menschen, die keine Experten sind, wenn die Texte sehr viele Fachausdrücke enthalten. Oder Fremdwörter. Wenn du jetzt schulterzuckend denkst: “Meine Texte sind eh für Fachleute gedacht.” macht es nichts, wenn du jetzt nicht weiter liest. Empfehlenswert ist es aber nicht.

Der Gedanke, dein Text ist für Profis, ist richtig. Aber auch für einen Fachmann kann es erfrischend sein, wenn ein ihm bekanntes Thema lebendig und einfach dargestellt wird. Vielleicht betrachtet dieser Mensch dieses Thema nach deinem Text aus einem ganz neuen Blickwinkel.

Also: Fachausdrücke und Fremdwörter sind toll, wenn man sie kennt. Aber man muss seine Texte nicht damit spicken. Wir entscheiden nicht auf Grund solcher Wörter, ob ein Mensch gescheit oder ein Experte ist.

Im Gegenteil: So ein Text erweckt schnell den Eindruck, der Verfasser wäre überheblich. Ja, sogar herablassend.

Als Leser fühlst du dich nicht wohl und kommst dir ziemlich doof vor, weil du nicht verstehst, was du liest. Dabei sind wir ja schon der Meinung, dass wir lesen können.

Und auch einer vom Fach lässt sich dadurch nicht beeindrucken. Es kann sogar sein, dass er genau dieselben Gefühle entwickelt.

Wie kannst du Texte auflockern?

Vor allem bei Fachtexten aus Bereichen wie Technik, Marketing, Gesundheit, … steht man vor dem Problem. Wie schreibt man so einen Text, dass er locker und lebendig ist und trotzdem Wissen vermittelt?

#1 Spare an Fachausdrücken und Fremdwörtern

Ziemlich jeden Fachausdruck und jedes Fremdwort kann man durch ein gängiges Wort ersetzen. Wenn du nicht weiter weißt, nutze Online-Werkzeuge, um sinnverwandte Wörter zu finden. Oder sieh dir die Beschreibung des Fremdwortes an und umschreibe es.

Übrigens hätte ich diesen Absatz auch so schreiben können: Wenn du eine Blockade hast, nutze Online-Tools, um Synonyme zu finden. Oder sieh dir die Definition des Fremdwortes an und umschreibe es. 

Siehst du den Unterschied?

Natürlich musst du nicht jeden Ausdruck ändern und ersetzen. Ausdrücke, die auch in der Alltagssprache benutzt werden, kannst du auch im Text verwenden.

Und wenn du ein Fremdwort nur mit weiteren Fremdwörtern erklären kannst, dann lass es lieber. Dann bleibt das Fremdwort ohne Umschreibung und Erklärung stehen.

#2 Spare an Schachtelsätze

Ein Schachtelsatz, der sich über drei Zeilen erstreckt, ist schwierig zu lesen. Und schwierig zu verstehen. Immer wieder muss der Leser zurück hüpfen, weil er den Faden verloren hat. Er weiß schon mitten im Satz nicht mehr, was er jetzt erfahren hat. Das ist mühsam.

Versuche kurze Sätze zu schreiben. Auch einmal ganz kurz. So. Sie bewirken eine Verschnaufpause. Das Gelesene kann sich setzen. Auf geht’s zum nächsten Satz.

#3 Teile deinen Text in kurze Absätze

Auch ohne, dass dein Leser auch nur ein Wort gelesen hat, fühlt er sich schon wohl. Dein Text wirkt auf den ersten Blick strukturiert. Er kann, wenn er möchte, jeden Absatz schnell überfliegen. Das ist gemütlich. Das ist gut. Das gefällt deinem Besucher.

Das heißt nicht, dass er zwangsläufig bei deinem Beitrag bleibt. Aber er hat einen schnelleren Überblick darüber, ob er bleiben möchte. Steigt der Besucher bei dir ein und sieht einen ellenlangen Text ohne Absätze, geht er wieder. Denn er befürchtet, es wäre zu mühsam bei dir zu lesen. Diesen Artikel möchte er nicht einmal überfliegen.

#4 Erstelle Zwischenüberschriften

Auch das hilft deinem Besucher schnell weiter. Anhand der Überschriften sollte ersichtlich sein, worum es im folgenden Absatz geht. Ist es das Thema, wonach dein Besucher gesucht hat und war sein Überflug schon interessant, bleibt er und liest sogar von Anfang an. Wenn er Zeit und Lust hat. Oder er speichert deinen Text in seiner persönlichen Leseliste für einen späteren Zeitpunkt.

#5 Versuche, dein Thema in eine Geschichte zu verpacken

Wie du bestimmt schon festgestellt hast: Ich liebe Storytelling. Zwar ist nicht jeder Text von mir Storytelling, aber es ist ein tolles Instrument, um Leser zu erreichen.

Gerade bei sehr komplizierten Sachverhalten eignet es sich hervorragend, um deinem Leser Wissen zu vermitteln. Ihm zu zeigen, dass du weißt, was sein Problem ist und du geeignet bist, dieses Problem zu lösen.

Zum Beispiel im Computer-Bereich. Du fragst dich jetzt vielleicht, wie das funktionieren kann, ein so trockenes Thema in eine Geschichte zu verpacken. Aber auch da funktioniert es.

Überlege dir, was das Problem deines Lesers ist.

Nehmen wir an, du hast ein tolles Antivirusprogramm entwickelt. Bei deinem Leser hat ein Computervirus zugeschlagen. Jetzt fürchtet er um seine Urlaubsfotos. Er war mit seiner Familie auf Mallorca. Die Fotos gibt es nur auf dem PC. Sein PC akzeptiert keine externen Speichermedien mehr. Er kann seine Fotos also nicht einfach so schnell sichern. Total aufgelöst und voller Sorge um seine wertvollen Daten, sucht er im Internet nach einer Lösung.

Genau da packst du ihn und zeigst ihm, wie er jetzt noch seine Daten mit deiner Hilfe sichern kann. Steh ihm bei, leite ihn an. Einfach, verständlich, zielführend. Am Ende hat er es hoffentlich geschafft, seine Daten zu sichern und überlegt sich jetzt, bei dir das Antivirusprogramm zu kaufen. Damit ihm so etwas nie wieder passiert.

#6 Stelle Fragen

Stelle deinem Leser hin und wieder im Text eine Frage. An passender Stelle kann eine Frage sogar Wunder wirken. Sie macht neugierig auf den folgenden Text. Sie regt zum Nachdenken an oder führt dazu, dir zuzustimmen.

Eine Frage wirkt auch so, als ob du direkt mit deinem Leser kommunizieren würdest. Der Leser fühlt sich wohl und verstanden und weiß, dass du ihn wichtig nimmst. Oder was denkst du?

Nur Wein sollte trocken sein

Texte, auch zu trockenen und komplexeren Themen, lassen sich auflockern. Sprich deinen Leser emotional an. In jedem Bereich lässt sich etwas finden. Ob es nun die Angst vor dem totalen Zusammenbruch des Systems ist, oder die Frage, warum man nicht fitter wird, obwohl man regelmäßig trainiert. Es gibt ihn. Diesen einen Punkt. Der Punkt, wo du deinen Leser abholen und durch das Dilemma führen kannst.

Spare an Fachausdrücken und Fremdwörtern. Ist ja schön, wenn du sie drauf hast. Aber die Masse hat sie halt nicht so drauf. Und auch ein Profi auf demselben Gebiet findet es erfrischend, wenn ein Text locker lässig geschrieben ist.

Überlege dir Zwischenüberschriften, Zwischenfragen und strukturiere deinen Text in kurze Absätze.

Und berichte hin und wieder von deinen ganz persönlichen Erfahrungen auf deinem Gebiet. Denn Menschen sind Nachahmungstäter. Sie versuchen gern Dinge, die bei anderen schon funktioniert haben 😉

Alles Liebe!
Babsi

PS: Bei Daniela Rorig von Textmatters findest du einen Raketenbauplan für explosive Einleitungen. Diesen Text empfehle ich dir von Herzen, denn Daniela zeigt dir, wie du deinen Leser schon in der Einleitung davon überzeugst, deinen gesamten Text zu lesen.


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